Für alle die, die sich für einen Hovawart interessieren.

Ich möchte Ihnen im Vorfeld, ein paar von unseren Erfahrungen mitgeben, die wir mit unserer Hündin gemacht haben, damit Sie sich ein Bild von dieser Rasse machen können, und wissen was auf Sie zukommt, wenn Sie so ein kleines niedliches Wollknäuel heranziehen.

Der Hovawart ist ein Hund, der von Anfang an gezeigt bekommen muss, wer der Rudelführer im Haus ist. Lassen Sie dies nicht schleifen, nur weil dieses kleine Kerlchen doch noch sooo… klein und niedlich ist. Sie werden es schwer haben, diese „ Schluderigkeiten " nachher, beim ausgewachsenen Hund, wieder herauszubekommen.

Auch wir mussten diese Erfahrungen machen. Unsere Hündin war sich von Anfang an ihrer Sache sehr sicher. Sie ist sehr selbstbewusst, doch im Welpenalter macht man sich darum noch nicht so viele Gedanken. Man findet es niedlich und lässt sie so manche Sachen gewähren, die man nachher verflucht.

Im Teenageralter von ca. 1 – 1 ½ Jahren erhielten wir die Quittung. Ally war aufmüpfig, dickköpfig und stur - das war sehr anstrengend.Ein Hovawart in diesem Alter ist schon sehr groß und schwer und entwickelt eine enorme Kraft, wenn Ihn etwas interessiert und er seinen Willen durchsetzen möchte.

Ich, als Frau, habe hier manchmal mit ganzem Körpereinsatz arbeiten müssen und jeder Spaziergang war nicht entspannend, sondern aufreibend für mich. Ich wollte doch wie alle anderen Hundebesitzen Spaß am spazieren gehen haben, dass sollte die Entspannung zu meinem Alltag mit Büroarbeiten, Haushalt usw. sein. Stattdessen musste ich immer ein waches Auge auf meinen Hoviracker haben, damit Sie nicht wieder draußen etwas Neues anstellte. Ich war frustriert! Ich wollte Sie gerne frei laufen lassen ohne mir Sorgen zu machen - ich arbeitete tägl. daran, holte mir Tips aus unserer Hundeschule, holte unseren Trainer zu uns nach Hause. Doch Ally hatte nur Augen für die große weite Welt, mich nicht mit eingeschlossen.

Ich möchte nicht entmutigend klingen, ich will Ihnen nur mit auf den Weg geben, dass Sie sich Ihrem Hovi gegenüber behaupten müssen, Ihm jeden Tag aufs neue zeigen müssen : „ Orientier dich an mir – ich führe hier ! ". Und sie dürfen nicht verzweifeln und die Flinte ins Korn werfen, wenn es bei den ersten dreihundert Anläufen nicht klappt. Es ist ein anstrengender Weg, aber er ist sehr, sehr lohnenswert!

Ich musste lernen, dass der Hovawart eine Rasse ist, die nicht an Deinen Lippen hängt und fragt: „ Frauchen, was kann ich jetzt für Dich tun ?" Er ist ein selbstbewusster Hund, mit einer starken eigenen Persönlichkeit. Ein Hovi hinterfragt vieles und ist man irgendwann zu impulsiv, und wird in seinem eigenen Handeln und Tun etwas härter und lauter, weil der Hovi zum x-ten mal nicht das tut, was man gerne möchte, kommt das beim Hovawart erst recht nicht an. Ein Rudelführer ist für ihn besonnen, vorausschauend und „ führend " – nicht brüllend und unbeherrscht. Da schaltet ein Hovawart auf taube Ohren und verlässt sich lieber auf sich selber.

Ich musste Ihr in kleinen Schritten beweisen, dass mein Tun und Handeln vorrangig ist und wer dem Widerspricht, muss Konsequenzen tragen. Natürlich mit Argumenten, die für Sie als Hündin, verständlich waren und   " Rudelführerqualitäten " hatten. Auch für mich war es dann manchmal hart, wenn Ally mal wieder Ihren eigenen Kopf durchsetzen wollte, - nach 5-Minuten gerade aus der Haustüre, wieder mit Ihr ins Haus zu gehen und es eine halbe Stunde später aufs neue mit dem Spaziergang zu versuchen - „ nach meinen Spielregeln“! Oder ihr mal nichts zu fressen zu geben, weil die Wälder für sie interessanter waren, als der Apport zu Fressen den ich Ihr zum bringen ausgelegt hatte.

Ich bin kein Spezialist auf diesem Gebiet, ich möchte nur den neuen Welpenbesitzern verständlich machen, dass ein Hovawart seine Arbeit und Ihre Zeit braucht. Haben Sie diese intensive Zeit nicht, tun Sie sich und dem Tier den gefallen, und orientieren sie sich um. Dem Tier zu liebe. Denn nichts ist für einen Hund schlimmer, wenn man nach zwei - drei Jahren feststellen muß, es wächst einem alles über den Kopf. So hatte man sich das nicht vorgestellt und der Hund kommt in letzter Instanz in ein Tierheim.

Ich kann Ihnen von Herzen sagen, all die Knochenarbeit und manche Träne, die ich vergossen habe, weil ich dachte: „ Das kann doch nicht so schwer sein einen Hund an Sich zu binden und zu erziehen!“ sich gelohnt hat.

Ich entdecke nun, wo Sie 2 ½ Jahre alt ist, dass Sie ruhiger und besonnener wird. Sie weiß, das zeigt Ihr wacher Blick, ich gehöre hier her und wir haben unseren gemeinsamen Weg gefunden. Es ist schön mit Ihr spazieren zu gehen. Ich genieße es Stunden mit Ihr durch die Wälder zu streifen, mit Ihr zu spielen und ihre wachsame, interessierte Aufmerksamkeit zu haben. Natürlich sind hier und da noch manchmal Situationen, in denen mein Mann und ich durchgreifen müssen, aber wir haben mit Ally gelernt, wie wir dann reagieren müssen.

Ein Hovawart ist ein Hund der Kopfarbeit benötigt. Er ist kein Hund, der stundenlang nur geduldig neben einem herläuft. Er braucht die aktive Bewegung, die Arbeit ! Wenn Sie Ihm dies alles bieten können wird Ihr Hovi ein wunderbarer Begleiter für Sie, auf den Sie mit Recht stolz sein können.

Wir sind es jedenfalls mit unserer Ally und wir hoffen der kleine Einblick in unsere Erfahrungen hat Ihnen den Hovawart etwas näher gebracht.

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen habe, meine Zeilen zu lesen !


Birgit Hampel